53 Prozent der deutschen Unternehmen haben ein Digitalisierungsproblem
Nicht vielleicht. Nicht möglicherweise. 53 Prozent geben es laut Bitkom-Studie 2025 offen zu: Sie kommen bei der Digitalisierung nicht hinterher. Vor zwei Jahren waren es noch 39 Prozent.
Der Trend zeigt steil nach oben. Und zwar in die falsche Richtung.
82 Prozent der Unternehmen sagen selbst, die Wirtschaftskrise sei auch eine Krise zögerlicher Digitalisierung. Das ist keine Behauptung von Beratern. Das sagen die Unternehmen über sich selbst.
Gleichzeitig wächst der deutsche IT-Markt 2026 auf 245 Milliarden Euro. Cloud-Software legt um 16,4 Prozent zu. Die Werkzeuge sind da. Die Frage ist, warum so viele Mittelständler sie nicht nutzen.
Dieser Leitfaden liefert Antworten. Und konkrete Schritte.
Was Digitalisierung im Mittelstand wirklich bedeutet
Vergessen Sie für einen Moment das Buzzword. Digitalisierung im Mittelstand heißt: Prozesse, die heute auf Zuruf, per Excel oder über Papierlisten laufen, so umzubauen, dass sie schneller, fehlerfreier und skalierbarer werden.
Ein Fertigungsbetrieb mit 120 Mitarbeitern, der Aufträge per Fax annimmt und in ein ERP-System aus 2004 eintippt. Ein Großhändler, dessen Vertriebsteam drei Tabellen pflegt, um ein Angebot zu erstellen. Ein Dienstleister, bei dem zwei Mitarbeiter ihre gesamte Arbeitszeit damit verbringen, Daten zwischen Systemen hin und her zu kopieren.
Kennen Sie das?
Deutschlands Markt für digitale Transformation lag 2025 bei 53,9 Milliarden Euro, mit einem jährlichen Wachstum von 10,9 Prozent. Der Software-Markt allein wächst 2026 um 10,2 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro.
Die Infrastruktur ist da. Die Fördertöpfe sind gefüllt. Was oft fehlt: ein klarer Plan.
Wo steht Ihr Unternehmen? Der ehrliche Digitalisierungscheck
Bevor Sie investieren, brauchen Sie Klarheit. Nicht über Technologie, sondern über Ihren Ist-Zustand. Fragen Sie sich:
- Wie viele Prozesse laufen noch manuell, obwohl sie automatisierbar wären?
- In wie vielen Systemen liegen Ihre Kundendaten?
- Können Ihre Systeme miteinander kommunizieren, oder brauchen Sie Menschen als Schnittstelle?
- Wie lange dauert es, eine belastbare Auswertung Ihrer Geschäftszahlen zu erstellen?
- Wie viele Stunden pro Woche verbringt Ihr Team mit der manuellen Übertragung von Daten?
Wer auf Frage 3 ehrlich antwortet, hat meistens schon den wichtigsten Schmerzpunkt identifiziert. 41 Prozent der deutschen Industrieunternehmen arbeiten noch mit ERP-Systemen, die vor 2005 entwickelt wurden. Keine APIs. Keine Integrationen.
Nur alternder Code, zusammengehalten von Wissen, das in den Köpfen einzelner Mitarbeiter steckt.
Wir haben einen Kunden im Maschinenbau, dessen gesamte Auftragsabwicklung von einem selbstgeschriebenen Access-Tool abhing. Das Tool stammte aus 1998. Der Mitarbeiter, der es gebaut hatte, ging 2024 in den Ruhestand. Niemand konnte es warten. Niemand verstand den Code.
Das ist kein Einzelfall. Das ist Alltag im deutschen Mittelstand.
Einen strukturierten Digitalisierungscheck finden Sie in unserem Leitfaden zur digitalen Bestandsaufnahme.
Die drei größten Hürden (und wie Sie sie überwinden)
Fachkräftemangel
Deutschland fehlen 149.000 IT-Fachkräfte. Das ist kein Engpass. Das ist ein strukturelles Defizit.
Für den Mittelstand bedeutet das: Sie konkurrieren mit SAP, Siemens und den großen Beratungshäusern um dieselben Leute. Und verlieren meistens.
Die Lösung ist nicht, auf den perfekten internen IT-Leiter zu warten. Die Lösung ist, sich externe Partner zu suchen, die Ihre Projekte umsetzen und Ihr bestehendes Team befähigen. Kein Outsourcing, bei dem das Wissen verschwindet, sondern Partnerschaften, bei denen es wächst.
Worauf Sie dabei achten sollten, erklären wir im Beitrag über das Outsourcen von Softwareentwicklung.
Legacy-Systeme
Das ERP von 2003 funktioniert ja noch. Irgendwie. Solange Herr Müller da ist, der als Einziger die Eigenheiten des Systems kennt.
Was passiert, wenn Herr Müller in Rente geht?
Legacy-Systeme sind kein Technologieproblem. Sie sind ein Geschäftsrisiko. Jedes System ohne Dokumentation, ohne API, ohne Wartungsvertrag ist eine Zeitbombe.
Wer modernisieren will, muss nicht alles auf einmal ersetzen. Das Strangler-Fig-Pattern erlaubt es, Altsysteme Schritt für Schritt durch moderne Komponenten zu ersetzen. Der Betrieb läuft weiter. Keine Downtime, kein Big Bang.
Mehr dazu in unserem Leitfaden zur Legacy-Modernisierung.
Kultureller Widerstand
“Das haben wir schon immer so gemacht.” Jedes Digitalisierungsprojekt trifft auf diesen Satz.
Die Gegenmittel: klein anfangen, schnell Erfolge zeigen, Mitarbeiter einbinden statt überrollen. Ein Pilotprojekt, das einem Team zwei Stunden pro Woche spart, überzeugt mehr als jede Strategiepräsentation.
Ein Handelsunternehmen aus Nordrhein-Westfalen hat die Digitalisierung mit einem einzigen Prozess begonnen: der automatisierten Rechnungseingangsprüfung. Vorher: zwei Stunden täglich manuelles Abgleichen. Nachher: zehn Minuten Kontrolle. Das Team war begeistert. Und plötzlich kamen die Ideen für den nächsten Prozess von den Mitarbeitern selbst.
Förderprogramme: So finanzieren Sie Ihre Digitalisierung
Die gute Nachricht: Deutschland fördert Digitalisierung großzügig. Die schlechte: Der Förderdschungel ist dicht. Trotzdem lohnt sich der Aufwand.
KfW ERP-Förderkredit Digitalisierung
Das Flaggschiff unter den Förderprogrammen. Die KfW bietet mit den Kreditprogrammen 511 und 512 zinsgünstige Darlehen bis 25 Millionen Euro in drei Stufen.
Stufe 1 (Basisdigitalisierung): Kreditrahmen bis 7,5 Millionen Euro. Voraussetzung: ein Digitalisierungscheck.
Stufe 2 und 3 (fortgeschrittene Digitalisierung): Kreditrahmen bis 25 Millionen Euro. Und hier wird es attraktiv: Förderzuschüsse bis 5 Prozent der Kreditsumme, maximal 200.000 Euro. Geschenkt, nicht zurückzuzahlen.
Was bedeutet das konkret? Bei einem Kredit von 500.000 Euro für ein individuelles ERP-System bekommen Sie bis zu 25.000 Euro als Zuschuss. Bei 2 Millionen Euro sind es die vollen 200.000 Euro.
Alle Details zum Antragsprozess finden Sie in unserem KfW-Digitalisierungskredit-Leitfaden.
Landesförderung
Auf Landesebene existieren zahlreiche Programme. Bayern bietet den Digitalbonus Standard mit bis zu 7.500 Euro Zuschuss. Brandenburg den BIG-Digital mit bis zu 250.000 Euro für Implementierung.
Jedes Bundesland hat eigene Töpfe. Und die lassen sich oft mit dem KfW-Kredit kombinieren.
KI-spezifische Förderung
Das BMBF fördert KI-Projekte für KMU mit bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Ein Gesamtbudget von rund 1,7 Milliarden Euro steht für den kommerziellen KI-Einsatz bereit.
Details dazu in unserem Beitrag über Fördermittel für KI-Projekte.
SAP-Migration: Der Elefant im Raum
Wenn Sie SAP ECC einsetzen, tickt die Uhr. Ende 2027 endet der Mainstream-Support. Keine Sicherheitspatches. Keine Compliance-Updates. Keine Fehlerbehebungen.
Eine vollständige Migration auf S/4HANA dauert typischerweise 18 bis 36 Monate. Wer 2026 noch nicht angefangen hat, wird es knapp. Sehr knapp.
Die Zahlen sind beeindruckend: SAP erwartet bis 2027 ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 5 bis 10 Milliarden Euro allein durch den Migrationszwang. Das ist Geld, das aus den Budgets der Unternehmen kommt.
Die Migrationspfade sind unterschiedlich. Greenfield bedeutet Neuaufbau auf der grünen Wiese. Brownfield ist eine Systemkonvertierung des bestehenden Systems. Und der selektive Ansatz mischt beide Welten.
Was für Ihr Unternehmen passt, hängt von Ihrer Systemlandschaft ab. Nicht von Hochglanz-Broschüren des Herstellers.
Unsere SAP-Migrationsübersicht hilft bei der Orientierung.
Digitalisierungsstrategie in fünf Schritten
Strategie klingt groß. Muss es aber nicht sein.
Schritt eins: Analysieren. Schauen Sie auf Ihre Geschäftsprozesse, nicht nur auf die IT-Landschaft. Wo verlieren Sie Zeit? Wo entstehen Fehler? Wo skalieren Sie nicht?
Schritt zwei: Priorisieren. Nicht alles auf einmal. Wählen Sie den Prozess mit dem größten Hebel. Das ist meistens der, bei dem Ihr Team am meisten Zeit verbrennt.
Schritt drei: Partner wählen. Ob Standardlösung oder individuelle Entwicklung, das hängt von der Einzigartigkeit Ihres Prozesses ab. Unser Beitrag zu individueller Software vs. Standardlösungen hilft bei der Einordnung.
Schritt vier: Iterativ umsetzen. Kein Big Bang. Kleine Schritte, schnelle Ergebnisse. Ein MVP in acht Wochen schlägt einen Masterplan auf Papier.
Schritt fünf: Messen und optimieren. KPIs definieren, Fortschritt messen, anpassen. Digitalisierung ist kein Projekt mit Enddatum.
Mehr Details finden Sie in unserem Beitrag zur Digitalisierungsstrategie in 5 Schritten.
Individuell entwickeln oder Standardsoftware kaufen?
Diese Frage stellt sich bei jedem Digitalisierungsprojekt. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an.
Standardsoftware ist die richtige Wahl, wenn Ihr Prozess den Branchenstandard abbildet. CRM, Buchhaltung, Projektmanagement, HR. Das sind gelöste Probleme. Kaufen Sie Standardsoftware und verschwenden Sie keine Energie auf Eigenentwicklung.
Individuelle Software lohnt sich, wenn Ihr Prozess Sie vom Wettbewerb unterscheidet. Wenn Standardsoftware Sie zwingt, das aufzugeben, was Sie erfolgreich macht.
Ein Beispiel: Ein Logistiker, den wir kennen, hatte einen Angebotsprozess, der wirklich einzigartig war. Jedes CRM zwang ihn, die Teile herauszunehmen, die ihn gut machten.
Er brauchte kein besseres CRM. Er brauchte seinen Prozess, in Software gegossen.
Für die Entscheidungshilfe empfehlen wir unseren Beitrag: Eigenentwicklung oder Standardsoftware.
KI-Chancen für den Mittelstand
KI-Plattformen wachsen 2026 um 61 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland. Trotzdem: Nur 17 Prozent der KMU setzen KI ein, gegenüber 55 Prozent bei Großunternehmen.
Die Lücke ist riesig. Und sie ist eine Chance.
KI im Mittelstand heißt nicht, einen eigenen Chatbot zu bauen. Es heißt: Dokumentenverarbeitung automatisieren, Angebote schneller erstellen, Lagerbestände vorhersagen, Kundenanfragen vorsortieren. Praktisch. Messbar.
Ein konkretes Beispiel: Ein Fertigungsbetrieb aus Baden-Württemberg setzte KI für die Qualitätskontrolle ein. Kameras an der Produktionslinie, die Fehler erkennen, bevor ein Mensch sie sieht.
Die Ausschussrate sank um 30 Prozent. Der ROI war nach vier Monaten erreicht.
Und die Hürde ist niedriger als gedacht. Ein KI-Pilotprojekt kostet typischerweise 15.000 bis 30.000 Euro und läuft in vier bis acht Wochen. Kein Millionenprojekt. Kein Forschungsvorhaben.
Wer tiefer einsteigen will: Unser Leitfaden zur KI-Integration für KMU zeigt die konkreten Anwendungsfälle und Kosten.
IT-Sicherheit und Compliance: Nicht verhandelbar
Die NIS2-Richtlinie gilt seit Dezember 2025 in Deutschland. Der Kreis der betroffenen Unternehmen ist deutlich gewachsen. Nicht mehr nur klassische KRITIS-Betreiber, sondern auch viele Mittelständler fallen jetzt unter die Regulierung.
Die Zahlen aus dem BSI-Lagebericht 2025 sind alarmierend. 950 Ransomware-Angriffe im Berichtszeitraum. 80 Prozent davon trafen KMU.
KMU erfüllen im Schnitt nur 56 Prozent der Basisanforderungen an IT-Sicherheit. Und 119 neue Sicherheitslücken werden pro Tag registriert, 24 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das ist keine abstrakte Bedrohung. 55 Prozent der KMU sagen, dass ein Cyberangriff mit Schäden unter 50.000 Euro sie bereits in die Existenzgefährdung treiben würde.
Wer digitalisiert, muss gleichzeitig absichern. Das BSI empfiehlt den CyberRisikoCheck nach DIN SPEC 27076 als Einstieg.
Unsere Leitfäden zu IT-Sicherheit im Mittelstand und NIS2-Umsetzung zeigen den pragmatischen Weg.
Die DSGVO bleibt: Datenschutz als Dauerthema
Neben NIS2 bleibt die DSGVO das regulatorische Fundament. Jede neue Software, jede Cloud-Migration, jede KI-Anwendung muss DSGVO-konform sein. Privacy by Design ist nicht optional.
Wer Software entwickeln lässt, sollte von Anfang an einen Anbieter wählen, der DSGVO-Konformität nicht nachträglich draufschraubt, sondern in die Architektur einbaut.
Was das konkret bedeutet, zeigt unser Beitrag über DSGVO-konforme Softwareentwicklung.
Automatisierung: Vom Excel zur Integration
Der häufigste erste Schritt in der Digitalisierung ist die Ablösung von Excel-basierten Prozessen. Das klingt banal. Ist es aber nicht.
Excel ist großartig für Analysen. Schrecklich als Datenbank. Und katastrophal als Workflow-Tool. Trotzdem laufen in vielen Mittelständlern geschäftskritische Prozesse über Tabellen, die niemand mehr durchschaut.
Die Lösung muss nicht immer eine teure Neuentwicklung sein. Manchmal reicht ein Workflow-Tool wie n8n oder eine einfache API-Anbindung, die bestehende Systeme verbindet.
Wie der Weg von Excel zu integrierten Systemen aussieht, beschreiben wir in unserem Beitrag zur Automatisierung im Mittelstand.
Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
78 Prozent der deutschen Unternehmen befürchten, dass Deutschland ohne Digitalisierung wirtschaftlich absteigen wird. 73 Prozent sagen, durch zu langsame Digitalisierung seien bereits Marktanteile verloren gegangen.
Die Fördertöpfe sind gefüllt. Die Technologie ist ausgereift. Cloud-Software kostet einen Bruchteil dessen, was vor zehn Jahren fällig war.
Die einzige knappe Ressource ist Umsetzungskompetenz. Unternehmen, die jetzt handeln, sichern sich den Zugang zu Fachkräften, Fördermitteln und Marktanteilen. Wer wartet, zahlt mehr. Oder verliert den Anschluss ganz.
Und genau deshalb lohnt es sich, heute zu starten. Nicht nächstes Quartal. Nicht nach der nächsten Strategiesitzung. Jetzt.
Sie wollen Ihre Digitalisierung konkret angehen? Vereinbaren Sie ein Erstgespräch. Wir schauen uns Ihre Prozesse an und zeigen Ihnen, wo der größte Hebel liegt. Kein Verkaufsgespräch, sondern Klarheit.