Ende 2027 endet der Mainstream-Support für SAP ECC
Das ist kein vages Zukunftsszenario. Das ist in 18 Monaten. Danach: keine Sicherheitspatches, keine Compliance-Updates, keine Fehlerbehebungen.
Eine vollständige Migration auf S/4HANA dauert typischerweise 18 bis 36 Monate. Rechnen Sie nach. Wer jetzt noch nicht angefangen hat, wird es extrem knapp.
SAP erwartet bis 2027 ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 5 bis 10 Milliarden Euro allein durch den Migrationszwang. Das ist Geld, das aus den Budgets deutscher Unternehmen kommt.
Drei Migrationspfade
Greenfield: Neuaufbau auf der grünen Wiese
Sie bauen ein komplett neues S/4HANA-System auf und migrieren nur die Daten. Alle Prozesse werden neu definiert, alle Anpassungen neu gebaut.
Der Vorteil: Sie können alte Altlasten abwerfen und Best Practices von Anfang an einführen. Der Nachteil: hoher Aufwand, lange Projektlaufzeit, Risiko durch parallelen Betrieb zweier Systeme.
Greenfield eignet sich für Unternehmen, deren aktuelle SAP-Landschaft so stark angepasst ist, dass eine Konvertierung aufwändiger wäre als ein Neuanfang.
Brownfield: Systemkonvertierung
Sie konvertieren Ihr bestehendes ECC-System auf S/4HANA. Daten, Customizing und Eigenentwicklungen werden (soweit möglich) übernommen.
Schneller als Greenfield. Aber: Alle Altlasten kommen mit. Und SAP hat zahlreiche Funktionen umgebaut. Ihre Eigenentwicklungen müssen geprüft und angepasst werden.
Selektiver Ansatz: Das Beste aus beiden Welten
Sie migrieren selektiv: Standardprozesse werden im Greenfield-Modus neu aufgebaut, bewährte Eigenentwicklungen per Brownfield übernommen. Dieser Ansatz wird zunehmend populär.
Was für Ihr Unternehmen passt, hängt von drei Faktoren ab: Grad der Anpassung Ihres ECC-Systems, Qualität Ihrer Daten und verfügbares Budget.
Was der Umstieg kostet
Hier wird es unbequem. SAP-Migrationen sind nicht billig.
Für ein mittelständisches Unternehmen mit 200 bis 500 Nutzern liegen die Kosten typischerweise zwischen 500.000 und 3 Millionen Euro. Abhängig von Komplexität, Anpassungsgrad und gewähltem Migrationspfad.
Darin enthalten: Lizenzen, Beratung, Implementierung, Datenmigration, Tests, Schulung, Go-Live-Unterstützung. Nicht enthalten: der Produktivitätsverlust während der Umstellung.
Und die Lizenzkosten steigen. Je näher 2027 rückt, desto geringer werden die Conversion Credits, die SAP für den Umstieg anbietet. Früher handeln spart bares Geld.
Die KfW fördert SAP-Migrationen über den ERP-Förderkredit Digitalisierung. Details im KfW-Leitfaden.
Zeitplanung: Warum es jetzt dringend ist
18 bis 36 Monate Projektlaufzeit. Das ist keine pessimistische Schätzung, das ist der Durchschnitt.
Ein realistischer Zeitplan: Monat 1 bis 3 für Discovery und Planung. Monat 4 bis 9 für Systemaufbau und Konfiguration.
Monat 10 bis 14 für Datenmigration und Tests. Monat 15 bis 18 für Go-Live und Stabilisierung.
Wer im Dezember 2027 fertig sein muss, hätte spätestens Mitte 2025 starten sollen. Wer jetzt erst anfängt, muss den Zeitplan komprimieren. Das geht, erhöht aber Risiko und Kosten.
Die Alternative: SAPs Extended Maintenance bis 2030 nutzen. Aber das kostet extra und ist nur ein Aufschub.
Die häufigsten Stolpersteine
Eigenentwicklungen unterschätzen. Viele SAP-Systeme im Mittelstand haben hunderte von Z-Programmen und Modifikationen. Jede einzelne muss geprüft, angepasst oder ersetzt werden. Das wird regelmäßig unterschätzt.
Datenqualität ignorieren. Die Migration ist die perfekte Gelegenheit, Daten aufzuräumen. Aber Datenbereinigung kostet Zeit. Planen Sie dafür Puffer ein.
Change Management vergessen. Neue Oberfläche, neue Prozesse, neue Gewohnheiten. Ihre Mitarbeiter brauchen Schulung und Begleitung. Nicht am letzten Tag vor dem Go-Live.
Alternativen zu S/4HANA
SAP ist nicht die einzige Option. Für manche Unternehmen lohnt sich der Blick auf Alternativen.
Wer SAP nur als ERP nutzt, ohne tiefgreifende Branchenspezifika, kann auf moderne Cloud-ERP-Systeme wechseln. Microsoft Dynamics 365, Oracle Cloud, Sage, Infor oder branchenspezifische Lösungen bieten vergleichbare Funktionalität.
Der Wechsel weg von SAP ist ein größerer Schritt. Aber für manche Mittelständler der bessere. Vor allem, wenn das aktuelle SAP-System ohnehin nur 30 Prozent seiner Funktionen nutzt.
Ob sich der Wechsel lohnt, ist eine individuelle Entscheidung. Unser Beitrag zur Digitalisierung im Mittelstand gibt den strategischen Kontext. Die Grundsatzfrage beantwortet unser Beitrag zu individuelle Software vs. Standardlösung.
Sie stehen vor der SAP-Migration und brauchen Unterstützung bei der Systemlandschaft drumherum? Vereinbaren Sie ein Erstgespräch. Wir helfen bei der Integration, den Schnittstellen und den Eigenentwicklungen, die nicht in S/4HANA passen.



