Ihr Digitalisierungsprojekt hat grünes Licht. Jetzt fehlt die Finanzierung.
Sie wissen, was Sie brauchen: ein neues ERP-System, eine individuelle Softwarelösung, eine KI-gestützte Automatisierung. Der Business Case steht. Aber die Kosten sind real, und der Mittelstand finanziert nicht aus der Portokasse.
Genau dafür gibt es den KfW ERP-Förderkredit Digitalisierung. Zinsgünstige Darlehen bis 25 Millionen Euro, in bestimmten Stufen sogar mit Förderzuschuss obendrauf.
Klingt gut? Ist es auch. Wenn Sie wissen, wie der Antrag funktioniert.
Was ist der KfW-Förderkredit Digitalisierung?
Die KfW bietet mit den Kreditprogrammen 511 und 512 eine gezielte Förderung für Digitalisierungsvorhaben. Gefördert werden Investitionen in neue Hard- und Software, digitale Geschäftsmodelle, Cloud-Migrationen, KI-Projekte und IT-Sicherheitsmaßnahmen.
Was diesen Kredit von klassischen Unternehmenskrediten unterscheidet: Die Zinsen sind günstiger, die Laufzeiten flexibler. In den höheren Stufen gibt es Zuschüsse obendrauf. Und auch laufende Kosten von Digitalisierungsvorhaben sind förderfähig.
Drei Stufen, drei unterschiedliche Förderungen
Die Förderung ist nach Komplexität gestaffelt. Je anspruchsvoller Ihr Vorhaben, desto besser die Konditionen.
Stufe 1: Basisdigitalisierung
Standardsoftware einführen, IT-Infrastruktur modernisieren, grundlegende Prozesse digitalisieren. Kreditrahmen bis 7,5 Millionen Euro.
Voraussetzung: der KfW-Digitalisierungscheck. Das ist eine Online-Selbsteinschätzung, kein externer Audit. Zeitaufwand: circa 30 Minuten. Kein Förderzuschuss in dieser Stufe.
Stufe 2 und 3: Fortgeschrittene Digitalisierung
Individuelle Softwareentwicklung, KI-Integration, IoT-Anbindungen, komplexe Systemlandschaften. Kreditrahmen bis 25 Millionen Euro.
Und hier wird es richtig interessant: Förderzuschüsse bis 5 Prozent der Kreditsumme, maximal 200.000 Euro. Geschenkt. Nicht zurückzuzahlen.
Was bedeutet das in Euro?
Bei einem Kredit von 500.000 Euro für ein individuelles ERP-System bekommen Sie bis zu 25.000 Euro als Zuschuss. Bei 2 Millionen Euro sind es die vollen 200.000 Euro. Das ist Geld, das direkt Ihre Projektkosten senkt.
Für Unternehmen, die ein umfassendes Digitalisierungsprojekt planen, kann der Zuschuss einen erheblichen Teil der externen Beratungs- und Implementierungskosten abdecken.
Wer kann beantragen?
Die Zielgruppe: Unternehmen mit Sitz in Deutschland, bis 500 Millionen Euro Jahresumsatz. Freiberufler und gemeinnützige Organisationen sind ebenfalls antragsberechtigt.
Nicht antragsberechtigt: Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Vorhaben, die bereits begonnen wurden.
Lesen Sie diesen Satz nochmal. Beantragen Sie den Kredit, bevor Sie den Vertrag mit Ihrem IT-Dienstleister unterschreiben. Sonst ist die Förderung weg. Unwiderruflich.
Was wird gefördert?
Die Liste ist breiter, als viele denken. Hier ein Auszug:
- Entwicklung und Einführung individueller Software
- Kauf und Implementierung von Standardsoftware
- Cloud-Migration und Cloud-Infrastruktur
- KI-gestützte Anwendungen und Datenanalyse
- IoT-Anbindungen und Sensorik
- IT-Sicherheitsmaßnahmen und Cybersecurity
- Digitale Geschäftsmodelle und Plattformen
- Schulung und Qualifizierung (im Rahmen des Vorhabens)
- Externe Beratung und Projektmanagement
Laufende Betriebskosten wie monatliche SaaS-Gebühren? Auch förderfähig, sofern sie Teil des Digitalisierungsvorhabens sind. Viele Unternehmen wissen das nicht.
Der Antragsprozess: Schritt für Schritt
Wichtig vorab: Kein Antrag direkt bei der KfW. Das ist der Punkt, an dem viele stolpern. Der Weg führt immer über Ihre Hausbank.
Schritt 1: Digitalisierungscheck durchführen. Für Stufe 1 ist er Pflicht. Für höhere Stufen empfohlen. Der Check ist eine Online-Selbsteinschätzung, die Ihren Digitalisierungsgrad bewertet.
Schritt 2: Hausbank ansprechen. Ihr Finanzierungspartner beurteilt Ihre Kreditwürdigkeit und stellt den Antrag bei der KfW. Bringen Sie ein klares Projektkonzept mit.
Schritt 3: Antragsformulare einreichen. Der Kreditantrag geht zusammen mit Ihrem Projektplan an die KfW. Wenn Sie den Förderzuschuss wollen, stellen Sie den Zuschuss-Antrag gleichzeitig mit dem Kreditantrag. Zusätzlich benötigt: die De-minimis-Erklärung über bereits erhaltene Beihilfen.
Schritt 4: Bewilligung abwarten. Die Bearbeitungszeit variiert. Rechnen Sie mit 4 bis 8 Wochen.
Schritt 5: Mittel abrufen und Projekt starten. Nach der Bewilligung rufen Sie die Mittel in Tranchen ab. Erst jetzt beginnen Sie mit dem Projekt. Nicht vorher.
Was gehört in ein überzeugendes Projektkonzept?
Die Hausbank und die KfW wollen verstehen, wofür das Geld fließt. “IT-Modernisierung” reicht nicht. Was überzeugt:
Eine klare Problembeschreibung. “Unser manueller Angebotsprocess dauert 3 Tage und kostet uns monatlich 15 Aufträge, weil Kunden nicht warten.” Konkret und messbar.
Kein Fachjargon, kein Buzzword-Bingo. Zahlen überzeugen Banker.
Ein definiertes Zielbild. “Nach Einführung des CRM mit automatisierter Kalkulation sinkt die Angebotszeit auf 2 Stunden.” Keine vagen Zielformulierungen.
Eine realistische Kostenaufstellung. Holen Sie Angebote von IT-Dienstleistern ein, bevor Sie zur Bank gehen.
Was individuelle Softwareentwicklung kostet, zeigt unser Beitrag zu Kosten individueller Software. Nutzen Sie diese Zahlen als Grundlage.
Ein Zeitplan mit Meilensteinen. Wann startet das Projekt, wann kommen die ersten Ergebnisse, wann der Abschluss?
Kombination mit Landesförderung
Der KfW-Kredit lässt sich oft mit Landesförderung kombinieren. Und das kann einen erheblichen Unterschied machen.
Bayerns Digitalbonus bietet bis zu 7.500 Euro Zuschuss. Der Brandenburgische BIG-Digital fördert Implementierungsprojekte mit bis zu 250.000 Euro. Hamburg bietet zinsgünstige Darlehen über die IFB.
Nordrhein-Westfalen hat mit MID-Digitalisierung ein eigenes Programm. Die meisten Bundesländer bieten etwas Vergleichbares.
Ob Ihr Bundesland ein passendes Programm hat, erfahren Sie über die Förderdatenbank des Bundes. In vielen Fällen können Sie die Programme stapeln: Zuschuss vom Land plus KfW-Kredit plus KfW-Förderzuschuss.
Eine Gesamtübersicht finden Sie in unserem Beitrag zu Förderprogrammen für Digitalisierung in Deutschland.
Die fünf häufigsten Fehler bei der Antragstellung
Projekt starten, bevor der Antrag bewilligt ist. Absolutes Ausschlusskriterium. Kein Vertrag, keine Bestellung, keine Anzahlung vor der Bewilligung. Auch keine mündliche Zusage an den Dienstleister.
Den Digitalisierungscheck vergessen. Ohne Check keine Stufe-1-Förderung. 30 Minuten Aufwand. Einfach machen.
Zu vage Projektbeschreibung. “Wir wollen digitaler werden” überzeugt niemanden. Konkrete Module, konkrete Ziele, konkrete Kennzahlen.
Die De-minimis-Grenze übersehen. Wenn Ihr Unternehmen in den letzten drei Steuerjahren bereits staatliche Beihilfen erhalten hat, zählt der Förderzuschuss zur De-minimis-Schwelle. Prüfen Sie das vorher.
Keinen Zeitpuffer einplanen. Zwischen Antrag und Bewilligung liegen Wochen. Kalkulieren Sie das in Ihre Projektplanung ein. Sonst geraten Sie unter Druck, bevor das Projekt überhaupt startet.
Was passiert nach der Bewilligung?
Sie setzen Ihr Projekt um, dokumentieren die Mittelverwendung und weisen gegenüber der KfW nach, dass das Geld zweckgebunden eingesetzt wurde. Saubere Dokumentation von Anfang an spart Ärger am Ende.
Die Rückzahlung des Kredits erfolgt in vereinbarten Raten. Tilgungsfreie Anlaufjahre und variable Laufzeiten geben Ihnen Flexibilität. Der Zuschuss (bei Stufe 2 und 3) wird Ihnen gutgeschrieben. Keine Rückzahlung.
Kein Haken.
Welche Projekte eignen sich besonders?
Aus unserer Erfahrung funktionieren bestimmte Projekttypen besonders gut im KfW-Rahmen.
ERP-Modernisierung: Alte Systeme aus den 2000er-Jahren ablösen, moderne Cloud-ERP einführen. Klarer Business Case, messbare Effizienzgewinne. Für SAP-Nutzer ist die S/4HANA-Migration ein klassischer Anwendungsfall.
Individuelle Branchensoftware: Wenn kein Standardprodukt Ihren Prozess abbildet, ist die Eigenentwicklung förderfähig. Besonders in der Fertigung, Logistik und im Großhandel gibt es Prozesse, die zu speziell für Standardsoftware sind.
KI-Pilotprojekte: Dokumentenverarbeitung automatisieren, Qualitätskontrolle per Bildererkennung, Bedarfsprognosen. KI-Projekte sind in Stufe 2 und 3 förderfähig. Die Zuschusskomponente macht den Einstieg attraktiver.
Cybersecurity-Maßnahmen: Seit NIS2 pflichtrelevant für viele Mittelständler. Investitionen in IT-Sicherheit sind vollständig förderfähig. Ein pragmatischer Maßnahmenplan zeigt, wo Sie anfangen.
Zeitplanung: Wann sollten Sie den Antrag stellen?
Idealerweise sechs Monate vor dem geplanten Projektstart. Das klingt viel. Aber rechnen Sie nach: Digitalisierungscheck (1 Woche), Angebotseinholung bei IT-Dienstleistern (2-4 Wochen), Projektkonzept erstellen (1-2 Wochen), Bankgespräch und Antragstellung (2 Wochen), KfW-Bearbeitung (4-8 Wochen).
In Summe: drei bis vier Monate. Plus Puffer für Rückfragen und Nachbesserungen.
Wer im Sommer 2026 loslegen will, sollte jetzt mit der Planung beginnen. Warten kostet doppelt: Zeit und Fördermittel, die andere abrufen.
Laut KfW-Jahresbericht steigt die Nachfrage nach Digitalisierungskrediten jährlich. Die Töpfe sind groß, aber nicht unendlich.
Frühes Handeln sichert Ihnen die besten Konditionen und vermeidet Engpässe bei der Bearbeitung. Besonders im zweiten Halbjahr, wenn viele Unternehmen gleichzeitig Anträge stellen, verlängern sich die Bearbeitungszeiten deutlich.
Wie Sie Ihre Digitalisierungsstrategie insgesamt aufsetzen, zeigt unser Leitfaden zur Digitalisierung im Mittelstand.
Sie planen ein Digitalisierungsprojekt und brauchen einen technischen Partner? Vereinbaren Sie ein Erstgespräch. Wir helfen Ihnen, Ihr Vorhaben zu definieren und die richtige Förderstufe zu wählen.